DER HISTORISCHE LACHFORST IN GEFAHR

Zum Original Beitrag von Nostalgia Braunau (Facebook) Autor: Bauer Philipp
Historische Stätten vor ihrer Vernichtung!

Der Lachforst im Bereich der gefährdeten Waldfläche um das Aluminiumwerk Ranshofen ist nur den wenigsten Interessierten als Stätte von historischer Tragweite im Hinblick auf die jüngere Stadtgeschichte Braunaus bekannt. Doch gibt es, teils bis heute sichtbar erhalten, Spuren des einstmals militärischen Herzstückes des Innviertels im Lachforst zu finden, das im Kern aus 3 Arealen bestand:

• Elementar-Schießstätte

Die als Elementar-Schießstätte bezeichnete Fläche am Achinger Totenweg, im gesamten ehemaligen Militärkomplex am östlichsten gelegen, ist heute noch als historisches Holzbauwerk erhalten, und ist als denkmalgeschütztes Objekt nicht abrissgefährdet. Der Schießstand ist damit die letzte kaiserliche Liegenschaft im Lachforst, die weitgehend im Originalzustand erhalten geblieben ist. Doch fand ein weiter Teil des militärischen Schießbetriebes nach 1870 im Freien statt, unmittelbar neben der heute eingezäunten und modernisierten Elementar-Schießstätte.

• Großexerzierplatz/Exerziergelände

Westlich angrenzend an den überbauten Schießstand befand sich der Großexerzierplatz der Garnison Braunau, welcher das flächenmäßig größte Areal umfasste. Neben dem soldatischen Exerzierbetrieb wurden hier, über Jahre erweitert, weite Grabenkomplexe angelegt, die bis in unsere heutige Zeit überdauern durften. Wirken sie auch auf den ersten Blick wie ausgetrocknete Bacharme, so übten hier Soldaten epochal verschiedener Armeen für den Kriegsfall. Entsprechend ist der Boden dieses Bereiches unterirdisch bedeckt von unzählbar vielen Patronenhülsen und tatsächlichen Gefahrenstoffen militärischen Ursprunges.

Weitschießplatz

Das Weitschießgelände befand sich am westlichen Abschluss des Gesamtareals, gelegen entlang Achinger Totenweg und der heutigen Werks-Zufahrtstraße. Hier schossen zuletzt Einheiten der deutschen Wehrmacht belegt Mörsergeschosse, wobei der Weitschießplatz seit mindestens 1902 als solcher existierte. Die Rund 1,5km lange Schießbahn wurde mit einem hohen Kugelfangwall beschlossen, der noch heute am Waldrand deutlich heraussticht.

Die 2 im Freien liegenden Teilbereiche wurden, unter stetiger Erweiterung, ab den 1870er-Jahren durch verschiedene Einheiten des k.u.k. Militärs genutzt, und waren darüber auch Übungsort zahlreicher Einheiten aus ganz Oberösterreich und Salzburg. Ab Braunaus erneuter Erhebung zur Garnisonsstadt ab 1887 waren die hier übenden Regimenter beispielsweise das Infanterieregiment Nr. 14 ,,Hessen“ sowie das Infanterieregiment Nr. 59 ,,Erzherzog Rainer“, die als bekannteste Vertreter der in Braunau stationierten Einheiten gelten können. Nach dem 1. Weltkriege fand der Übungsbetrieb zunächst durch die Volkswehr, anschließend durch das 1. Bundesheer und 1938 bis 1945 durch die Wehrmacht statt.

Letztgenannte 2 Teilbereiche des ehemaligen und überregional genutzten Militärgeländes befinden sich mit ihren erhaltenen Schießgräben, Betonfundamenten und im Boden vorhandenen Hinterlassenschaften im unmittelbar von geplanter Bebauung gefährdeten Areal, und sollen plangemäß ohne historische Aufarbeitung vernichtet werden. Braunau läuft damit Gefahr, diese im Innviertel recht einzigartige Stätte militärgeschichtlicher Tragweite ohne großes Echo zu verlieren.

Geschichte erkennen – Geschichte erhalten!

Bilder: Privatsammlung W. Fröhlich, St. Radegund und Gemeindearchiv Burgkirchen

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